Von der Vision zur Aktion
"Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete"
Bauschilder mit dieser Aufschrift dürften in den nächsten Jahren öfter auch in der Kernstadt Zehdenick zu sehen sein.
Die Kernstadt mit ihren knapp 10 000 Einwohnern wird fördertechnisch zu einer Landstadt degradiert, was der Stadtverwaltung Zehdenick sehr recht ist.
(Artikel aus der MOZ von Martin Risken vom 06.03.2016)

Denn dadurch wird auch die Stadt zum Fördergebiet des Leader-Programms und Teil der neuen Regionalen Entwicklungsstrategie (RES) in der Region Obere Havel. Bis zum Jahr 2020 geht es dabei erneut um viele Millionen Euro, aus denen die Stadt mit ihren Ortsteilen schöpfen kann. Bislang musste die Kernstadt, wollte sie Fördermittel aus dem Programm zur ländlichen Entwicklung erhalten, für jedes Projekt einzeln einen zusätzlichen Antrag stellen, um von der ländlichen Entwicklung zu profitieren. Das umständliche Prozedere soll künftig entfallen, sagte Bürgermeister Arno Dahlenburg (SPD) jüngst im Stadtentwicklungsausschuss. In den vergangenen Jahren haben Kommune und private Bauherren extrem gut von den Fördermöglichkeiten zur Entwicklung des ländlichen Raums profitiert. Als Beispiele nannte der Verwaltungschef das Projekt Wasserturm in Zehdenick, den Lokschuppen im Ziegeleipark Mildenberg, die Sanierung der Turnhalle in Mildenberg, Ferienwohnungen in Klein-Mutz, die Kirchturm-Sanierung in Kappe, die Spielplätze in Klein-Mutz und Krewelin, die Kita-Sanierung in Mildenberg sowie eine Anlage zur Beregnung des Sportplatzes in Mildenberg. "An Kreativität und Prosa hat es nie gemangelt", zog Dahlenburg eine positive Bilanz.

Ähnliches erhofft er sich für die 2014 begonnene Förderperiode. Die Stadtverwaltung hat jedenfalls schon erste Ideen, für welche Vorhaben sie Förderanträge stellen möchte. An erster Stelle steht dabei der Umbau des Weißen Hauses in Mildenberg zum Speiseraum der Schule. Denn Kommunen könnten bis zu 75 Prozent der förderfähigen Kosten erstattet bekommen. Bei privaten Bauherren sind es immerhin bis zu 45 Prozent der Investitionssummen, höchstens allerdings 200 000 Euro. Wie so oft aber stecke der Teufel im Detail, sagte Dahlenburg und machte deutlich, dass jeder Förderantrag eine Einzelentscheidung sei und mit der Förderrichtlinie im Detail übereinstimmen müsse. Das Regionalmanagement werde demnächst seine Arbeit aufnehmen, um über erste Förderanträge zu beraten. In Kappe ist der dortige Kulturverein glücklich, dass 2014 endlich mit der Sanierung der Kirche begonnen werden konnte. Im Spätsommer startete der erste Bauabschnitt: Turmsanierung mit Aufbau des historischen Turmhelmes mit Knopf und Kreuz mit einer Gesamthöhe von 32 Metern. Der Verein Kapper Cappe mit ihrem Vorsitzenden Christian Schulze sieht in der Umsetzung des Vorhabens ein Ergebnis des erfolgreichen Kulturprogramms: Schorfheider Brunchkonzerte in der Kulturkirche Kappe. "Um den etablierten Kulturstandort in der Region zu erhalten und weiter zu entwickeln, erfolgt die Sanierung von Außenhaut und Innenraum", heißt es dazu ergänzend auf der Internetseite der Lokalen Aktiongruppe Obere Havel. Erst im Dezember vergangenen Jahres war es der Aktionsgruppe gelungen, die erneute Anerkennung zu erhalten. Mit der Erarbeitung und Bestätigung der Regionalen Entwicklungsstrategie schaffte es die LAG die Voraussetzung für eine erneute Anerkennung als Leader-Region in Brandenburg.

Als Beispiel für eine private Initiative führt die LAG das Projekt "Kreatives Wohnen" in Klein-Mutz auf: Auf einem gut erhaltenen Vierseithof sind durch die Eigentümer in einem Stallgebäude vier Ferienwohnungen mit zwölf Betten entstanden. Im großen Stallgebäude entsteht ein großes Atelier für Siebdruck und Keramik als zusätzliches Angebot und die Tourismussaison verlängernde Maßnahme. Die bereits für Feierlichkeiten mit Bühne ausgebaute Scheune soll durch den Ausbau des Gewölbekellers mit Backofen erweitert werden. Zielgruppen seien naturverbundene aktive Menschen, erholungsuchende Städter und kreative Gäste, die den Standort sowohl als Ausgangspunkt für Wanderungen, Rad- oder Wassersport nutzen oder die angebotenen Siebdruck-, Keramik-, Mal- und Zeichenkurse besuchen. In der erneuten anerkannten Leader Region Obere Havel leben rund 80 000 Menschen, die von den Investitionen im kommunalen und privaten Bereich profitieren sollen.  (24.03.2016)